Eingemeindung 1938

Eingemeindungsfeier in Solln am 28. November 1938

Bereits viele Jahre vorher beschäftigte das Thema den Sollner Gemeinderat. In einem Schreiben vom 15. Oktober 1928 lehnt die Stadt München „das Ersuchen, eine Strassenbahnverbindung nach Solln herzustellen, ab… Der Gemeinderat Solln wird es wohl verstehen, dass wir bei seiner brüsken Stellungnahme gegen eine Eingemeindung keine Veranlassung haben, finanzielle Opfer für die Erfüllung der Wünsche der Sollner Bevölkerung zu bringen…“
1938 kam es anders. Sehr deutlich kommt die Art und Weise der Eingemeindung in einem Protokoll vom 1. Dezember 1938 zum Ausdruck: „Laut Bekanntmachung des Staatsministerium des Innern v. 26.11.1938 Nr. 3 113/28 (Bay.Reg.Anz.Ausg. 332)

hat der Herr Reichsstatthalter in Bayern mit Erlaß vom 23. November 1938 Zch.We. 3/21.11 die Eingliederung der Gemeinde Solln in die Hauptstatt der Bewegung mit Wirkung vom 1. Dezember 1938 verfügt.“ Verfügt!!!

Am 26. Oktober 1938 wurde der Eingemeindungsvertrag vom letzten Sollner Bürgermeister Adam Christophel unterschrieben. Im Sollner Heft 16 ist er komplett abgedruckt.
Die Eingemeindungsfeier in Solln fand am 28. November 1938 statt.
Christophel meldete bei der Feier im Münchner Rathaus Vollzug: „Herr Oberbürgermeister! Bürgermeister und Ratsherren der Hauptstadt der Bewegung! Parteigenossen! Auch ich, der bisherige Bürgermeister von Solln, nehme Veranlassung zu erklären, daß trotz manchem, was nunmehr zurückliegt, wirklich aller Anlaß besteht, Herr Bürgermeister Dr. Tempel und seinen Mitarbeitern vor allem zu danken für die nationalsozialistische (sic!) Art, in der die Verhandlungen bis zur letzten Vollendung geführt worden sind…“

Eingemeindungskrug 1938

Eingemeindungsfeier: Der letzte Bürgermeister Sollns Adam Christophel mit dem Weiß Ferdl

Die Stadt München gewinnt viel: Fast 550 ha Fläche, 4.700 Bürger.
Die Gemeinde Solln verliert viel, keine der protokollierten Versprechungen wird eingehalten, ein Jahr später begann der 2. Weltkrieg: Kein Neubau einer zweiten Volksschule (dies geschieht erst Jahrzehnte später), keine Anbindung der Straßenbahn.
In das neue Rathaus Solln (an der Stridbeckstraße) zog die Bezirksinspektion des Münchner Bezirks 36 (Solln) ein. Das letzte Zeichen einer gewissen Eigenständigkeit Sollns verschwand dann 1986, als der Stadtbezirk Solln aufgelöst und in den viel größeren Stadtbezirk 19 (Forstenried, Fürstenried, Solln, Obersendling, Thalkirchen) integriert wurde. Unter dem Motto „Solln soll Solln bleiben“ kämpfte die Bevölkerung vergebens dagegen an. Solln taucht in keiner Statistik mehr auf. Es hat auch keinen mehr verwundert, als 2003 gegen heftigen Widerstand der Bevölkerung und unter Missachtung des Eingemeindungsvertrages die Stadtbibliothek Solln aufgelöst wurde. Hermann Sand


Literatur

  • Aenne Atzenbeck, Solln wie es war, München 1970
  • Hermann Sand, Eingemeindung, Sollner Hefte 16, München 1998
  • Hermann und Ingrid Sand (Hrsg.), Solln. Das Stadtviertelbuch, München 1999