Prinz-Ludwigs-Höhe

Alter Bahnhof Prinz-Ludwigs-Höhe (Sohnkestraße)

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert verändert sich Solln zusehends zu einem Villenvorort. Mehr und mehr Münchner mit geistigen und verwaltenden Berufen ziehen vor die Tore Münchens. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Fläche nordöstlich des Dorfes wird verkauft und bebaut.

Die Prinz-Ludwigshöhe entsteht als erstes geschlossenes Villenviertel im Münchner Süden. Das Gelände am Isarhochufer war ideal: An einem Fluss, gute Luft, Sicht bis in die Alpen, nahe, aber nicht in der Enge der Stadt. Viele reiche Münchner entdecken die Ruhe des Dorfes.

Bereits in den 1880er Jahren kauften die Heilmann’sche Immobiliengesellschaft und die Heilmann’sche Grundstückverwaltung Grundstücke in Thalkirchen und in Solln, um hier eine Villenkolonie zu errichten: östlich der Bahn die „Prinz-Ludwigshöhe“ und westlich davon die „Villenkolonie Solln“. Die Prinz-Ludwigshöhe ist nach dem Sohn des Prinzregenten Luitpold benannt.

Ab 1895 wurde ein Straßennetz geplant und bis zur Jahrhundertwende realisiert. Die bereits bestehende Isartalbahn erhielt einen eigenen Haltepunkt (Fahrzeit 26 Minuten mit der Isartalbahn und Straßenbahn zum Marienplatz).

Waldrestauration außen (Heilmamannstraße 27)

Luftaufnahme Prinz-Ludwigs-Höhe um 1915

Jakob Heilmann und Max Littmann folgten in ihrem Konzept der von August Exter in Pasing geschaffenen Villenkolonie. „Entsprechend der Sonderstellung der Kolonie war, vor allem für die Grundstücke an der Heilmannstraße, eine Villenbebauung im Landhausstil vorgesehen, die teilweise alpenländische Formen rezipierte und in den dementsprechend auch Holz als Baustoff in großem Umfang zum Einsatz kam. Die Bandbreite der Architekturrichtungen war jedoch äußerst vielfältig und zeigt, neben gründerzeitlich-konventionellen Gestaltungen auch Schöpfungen des historisierend-malerischen Stils und des damals völlig neuen, aus England importierten Cottage-Stils... Vor dem Ersten Weltkrieg waren vor allem die Heilmann-, die Ludwigshöher und die Pössenbacher Straße … relativ dicht mit Villen bestückt (Chevalley 2004).“ Als historisierend gilt jene Stilepoche, bei der man auf verschiedene ältere Stilrichtungen (Stilpluralismus) zurückgriff und diese nachahmte (die „Sehnsucht“ des 19. Jahrhunderts.). Die Ludwigshöhe hatte eine eigene Grundversorgung: Bahnhof, Postamt, zwei Lebensmittelläden, eine Waldrestauration, zwei kleine private Volksschulen, ein „Mädchen-Institut für Töchter gebildeter Stände“ und eine Polizeiwache. Alles vorbei. Viele alte Villen sind Betonbauten gewichen, erst seit 1973 verhindert der Denkmalschutz den weiteren Abriss alter Villen. Der westliche Teil der Prinz-Ludwigshöhe gehört zu Solln, der östliche zur Isar gelegene zu Thalkirchen. Hermann Sand


Literatur

  • Aenne Atzenbeck, Solln wie es war, München 1970
  • Denis A. Chevalley Denkmäler in Bayern, München 2004
  • Stefan Ellenrieder, Die Prinz-Ludwigs-Höhe, Sollner Hefte 10, München 1997
  • Stefen Ellenrieder, Prinz-Ludwigs-Höhe, in: Hermann und Ingrid Sand (Hrsg.), Solln. Das Stadtviertelbuch, München 1999
  • Dorle Gribl, Villenkolonien in München und Umgebung, München 1999
  • Hermann Sand, Häuserbuch der Prinz-Ludwigs-Höhe, Sollner Hefte 38, München 2004