Villenkolonie Wilhelmshöhe

Verkaufsprospekt 1908: Villen-Colonie Solln bei München

Nach der Prinz-Ludwigshöhe arrondierte Jakob Heilmann das Gebiet nördlich der jetzigen Herterichstraße vom Fellererplatz bis zur Bahnlinie/Wolfratshauserstraße. „Die erste Bauphase erfasste das Gebiet westlich der Sollner Straße zwischen Emil-Dittler-Straße und Goldbergstraße, etwa bis zur Allescher Straße. Die Villenkolonie ähnelt in ihren Bauprinzipien stark der Prinz-Ludwigs-Höhe.“ (Ellenrieder 1999, S. 36) Ab1898 entstanden die ersten Villen. Der erste Straßenzug, die Hirschenstraße (heute Sollner Straße) wurde von Ludwig Reichold ausgebaut.
Die Immobiliengesellschaft Heilmann und Littmann legte die Lindenallee, die heutige Diefenbachstraße, als Verbindungsstraße vom Bahnhof zum Dorf an. Die Kolonie wurde nicht in einem Zug fertig, erst nach dem 2. Weltkrieg wurden die letzten Häuser gebaut.

Benannt wurde die „Wilhelmshöhe“ nach dem Deutschen Kaiser Wilhelm II. Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg verschwand der Name immer mehr und ist heute kaum mehr gebräuchlich. Für die Sollner war es die „Kolonie“.
In erster Linie zogen wohlhabende Münchner heraus, viele Akademiker und Kaufleute, die mit ihren Familien im Grünen wohnen wollten und durch die Bahn ihre Arbeitsstätte in der Stadt gut erreichen konnten. Zwischen den Weltkriegen siedelten sich viele namhafte Künstler, Maler und Literaten, an. Sie errichteten Atelierhäuser um in Ruhe und guter Luft arbeiten zu können.

Postkarte: Villenkolonie Solln, wohl nach 1910

Sollner Säule vor dem Weltkrieg

Wegen der unterschiedlichen Bevölkerungsstruktur hatten Dorfbewohner und Villenbesitzer kaum unterander Kontakt. Das zeigte sich auch bei den Kindern: Im Sommer gingen die „Dorfkinder“ barfuß, die „Kolonisten“ aber in Schuhen zur Schule. Entsprechend viele „Kämpfe“ gab es zwischen den beiden „Kulturen“. Durch die Bebauung der beiden Villenviertel wurden verschiedene Einrichtungen in Solln zu klein. Die alte Dorfkirche fasste die Gläubigen nicht mehr und deshalb wurde 1904/06 die Pfarrkirche St. Johann Baptist am Fellererplatz gebaut. Die neue Schule an der Herterichstraße entstand 1911. 1922 wurden die evangelische Holzkirche an der Bertelestraße, 1927 das Rathaus an der Stridbeckstraße erbaut, 1936 der Sollner Waldfriedhof angelegt. Hermann Sand


Literatur

  • Aenne Atzenbeck, Solln wie es war, München 1970
  • Denis A. Chevalley Denkmäler in Bayern, München 2004
  • Stefen Ellenrieder, Villenkolonie Wilhelmshöhe, in: Hermann und Ingrid Sand (Hrsg.), Solln. Das Stadtviertelbuch, München 1999
  • Dorle Gribl, Villenkolonien in München und Umgebung, München 1999
  • Ingrid Sand, Die Wilhelmshöhe, Sollner Hefte 26, München 2001